Von der Idee zur Umsetzung: Was KMU wirklich brauchen – Interview mit Sarah Winter

Das eigentliche Problem ist nicht die Idee

Ideen gibt es in Unternehmen mehr als genug. In kleinen und mittleren Unternehmen erst recht. Die Mitarbeitenden sind nah am Produkt, nah am Markt, kennen die Prozesse und die Kundenbedürfnisse. Gute Ansätze entstehen täglich. Das Problem liegt woanders.

Warum landen so viele dieser Ideen in der Schublade? Warum versanden Projekte, die eigentlich alle für wichtig halten? Warum fühlen sich zwar alle irgendwie zuständig, aber niemand wirklich verantwortlich?

Genau diesen Fragen geht Sarah Winter in ihrer täglichen Arbeit nach. Die erfahrene Projektpartnerin kommt aus der Konsumgüterbranche, bringt über 15 Jahre Erfahrung in Produktmanagement, Category Management und Supply Chain mit und begleitet heute KMU dabei, den entscheidenden Schritt zu gehen: von der Idee zur echten Umsetzung.

In dieser Folge von Innovation einfach machen hat sie offen erzählt, was Unternehmen wirklich bremst – und was es braucht, damit Ideen endlich auf die Straße kommen.

Das Interview gibt es in meinem Podcast „Innovation Einfach Machen“ anzuhören oder direkt auf YouTube.

Hinweis: Ein Gespräch mit Sarah Winter – Blogbeitrag auf Basis der Podcastfolge „Innovation einfach machen“ mit Bianca Prommer wurde mithilfe von KI erstellt

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Zu viele Ideen, zu wenig Struktur: Innovation in KMU

Die häufigste Annahme, wenn Innovationsprojekte scheitern, lautet: Uns fehlen die Ressourcen. Zu wenig Personal, zu wenig Zeit, zu wenig Budget.

Sarah Winter widerspricht dieser Diagnose klar.

„Es ist kein Ressourcenproblem. Es ist ein Priorisierungs- und Steuerungsproblem. Und das ist ein riesiger Unterschied.“

Was sie in KMU immer wieder beobachtet: Die Ressourcen sind nicht zu knapp. Sie sind falsch eingesetzt. Mitarbeitende arbeiten gleichzeitig an zu vielen Themen, ohne klare Priorität, ohne klare Verantwortung. Entscheidungen werden verzögert. Schnittstellen blockieren sich gegenseitig. Und am Ende fragt sich jeder, warum so wenig weitergeht, obwohl alle so beschäftigt sind.

Das Ergebnis kennt jede Führungskraft: Projekte, die sich ewig hinziehen. Ideen, die immer wieder aufgeschoben werden. Und Teams, die frustriert sind, weil aus ihrer Arbeit scheinbar nichts wird.

Die Wurzel des Problems liegt nicht im Mangel, sondern im Chaos. Und Chaos entsteht nicht durch bösen Willen, sondern durch fehlende Struktur.

Wenn alle zuständig sind, ist niemand verantwortlich

Ein Bild, das Sarah Winter besonders prägnant beschreibt: Ein Unternehmen mit exzellenter Jahresplanung, klaren Meilensteinen, definierten Verantwortlichkeiten. Das System funktioniert. Und dann gerät das Unternehmen unter Druck. Innerhalb weniger Wochen werden zwei zusätzliche Termine angesetzt. Der Auftrag: Quick Wins. Mehr. Schneller. Sofort.

Das Ergebnis ist vorhersehbar. Teams werden für Tage blockiert. Die ursprüngliche Planung kippt. Und am Ende hat niemand mehr den Überblick, was eigentlich Priorität hat.

Dieses Muster ist kein Einzelfall. Es ist ein systemisches Problem, das Sarah Winter in fast jedem Unternehmen antrifft, das sie begleitet.

Der entscheidende Satz dahinter lautet: Wenn alle sich irgendwie zuständig fühlen, ist niemand wirklich verantwortlich. Und ohne klare Verantwortung läuft kein Projekt zu Ende. Es versandet. Schleichend, fast unmerklich, bis niemand mehr weiß, wer eigentlich den nächsten Schritt machen sollte.

Führung ist der Schlüssel

Wer ist schuld, wenn Projekte scheitern? Die Antwort, die viele erwarten, dreht sich um einzelne Mitarbeitende. Zu wenig Engagement, zu wenig Kompetenz, zu wenig Eigeninitiative.

Sarah Winter sieht das anders. Für sie ist das Scheitern von Innovationsprojekten in den allermeisten Fällen kein Menschen- sondern ein Strukturproblem. Und Strukturprobleme zu erkennen und zu lösen ist Führungsaufgabe.

Das deckt sich mit den Erkenntnissen des Fraunhofer German Innovation Spotlight 2026: Unternehmen, bei denen Innovationsverantwortung klar auf Geschäftsführungsebene verankert ist, zeigen nachweislich höheres Umsetzungstempo und stärkere Innovationswirkung. Innovation ist nicht nur eine operative Frage. Sie ist eine Führungsfrage.

Was bedeutet das konkret? Führung muss klar benennen, wer für welches Projekt verantwortlich ist. Nicht ein Team, nicht fünf Beteiligte, sondern genau eine Person. Diese Person braucht nicht zwingend jahrelange Projekterfahrung. Sie braucht Klarheit über ihre Aufgabe, Rückendeckung von der Führung und den Raum, Entscheidungen treffen zu dürfen.

Und sie braucht das Vertrauen, dass Fehler erlaubt sind. Wirklich erlaubt. Nicht nur auf dem Papier.

Die unsichtbare Angst vor dem Scheitern

Ein Thema, das Sarah Winter im Gespräch besonders offen anspricht, ist die Diskrepanz zwischen dem, was Unternehmen über Fehlerkultur sagen, und dem, was sie tatsächlich leben.

Viele Unternehmen schreiben sich auf die Fahne: Bei uns sind Fehler erlaubt. Aus Fehlern lernt man. Und diese Haltung ist grundsätzlich richtig. Das Problem entsteht, wenn die Führung im konkreten Fall anders reagiert. Wenn ein Fehler unbequem wird, wenn ein Projekt in eine falsche Richtung gelaufen ist, wenn Dinge nicht so funktioniert haben wie erhofft. Dann gibt es plötzlich doch Konsequenzen. Unangenehme Gespräche. Fingerzeige.

Die Folge ist eine unsichtbare Angst, die sich durch Organisationen zieht. Mitarbeitende, die eigentlich brennen für eine Idee, halten sich bedeckt. Weil sie Angst haben, aus dem inneren Kreis der Führung herauszufallen. Weil sie nicht wissen, ob sie die Rückendeckung wirklich bekommen, wenn es darauf ankommt. Weil sie sich fragen: Was passiert mit mir, wenn es schiefgeht?

Diese Frage können Führungskräfte nicht mit Worten beantworten. Sie können sie nur durch Verhalten beantworten. Indem sie im konkreten Fehlerfall wirklich so reagieren, wie sie es versprochen haben.

Der Projekt Reality Check: Vier Fragen, die alles aufdecken

Wenn Sarah Winter in ein neues Unternehmen kommt, schaut sie sich zunächst nicht die Ideen selbst an. Sie schaut sich die Strukturen dahinter an.

Ihr Werkzeug dafür ist der Projekt Reality Check – eine Bestandsaufnahme in vier Bereichen: Klarheit, Verantwortung, Prioritäten und Umsetzung. Die zugehörigen Fragen sind einfach, aber entlarvend:

Wo stehen die Themen im Moment? Wer ist verantwortlich? Was hat gerade wirklich Priorität? Und warum kommt die Umsetzung nicht voran?

Die Antworten auf diese Fragen findet Sarah Winter nicht in Projektplänen. Sie findet sie in Gesprächen, sowohl mit operativen Teams als auch mit der Führungsebene. Und zwischen den Zeilen dieser Gespräche wird schnell sichtbar, wo es wirklich hakt.

Was dann folgt, ist keine Präsentation mit Handlungsempfehlungen. Sarah geht selbst mit in die Umsetzung. Sie übernimmt Verantwortung, räumt Hindernisse aus dem Weg und sorgt dafür, dass Projekte nicht wieder stecken bleiben.

Einfache Werkzeuge, konsequent eingesetzt

Ein häufiger Irrglaube: Wer Projekte besser steuern will, braucht bessere Tools. Die neueste Projektmanagement-Software, die ausgeklügeltste digitale Lösung.

Sarah Winter sieht das pragmatischer. Ein einfacher Projektplan reicht aus, wenn er konsequent gepflegt wird. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern was drinsteht: der aktuelle Stand, die Fälligkeiten, wer gerade an welchem Thema arbeitet. Und dass er regelmäßig aktualisiert wird.

Das gilt auch für die Priorisierung. Wenn alle Projekte als Priorität 1 eingestuft sind, ist nichts priorisiert. Führungskräfte, die das erkennen und ihre Listen konsequent nach echter Wichtigkeit sortieren, berichten regelmäßig, wie viel sich allein dadurch verändert. Nicht weil sie plötzlich mehr Zeit hätten, sondern weil sie ihre Zeit anders einsetzen.

Das klingt banal. Aber es ist genau dieser Schritt, der in vielen Unternehmen fehlt.

Externe Unterstützung: Teurer als gedacht – oder günstiger?

Ein Thema, das im Gespräch besonders viel Raum einnimmt, ist die Frage nach externer Unterstützung. In großen Konzernen ist es völlig normal, sich für komplexe Projekte oder Engpässe externe Projektmanagerinnen und Projektmanager auf Zeit zu holen. In KMU hingegen ist diese Option oft nicht einmal bekannt.

Wenn sie bekannt ist, schreckt zunächst der Stundensatz ab. Ein externer Spezialist kostet auf den ersten Blick mehr als ein Festangestellter. Aber diese Rechnung ist trügerisch.

Sarah Winter bringt es auf den Punkt: Wer sich eine erfahrene externe Kraft ins Unternehmen holt, bekommt jemanden, der ab Tag 1 produktiv ist. Kein langes Onboarding, kein monatelanges Einarbeiten. Dafür volle Erfahrung, Überblick und die Gewohnheit, in wechselnden Umgebungen sofort Leistung zu bringen.

Und die Opportunitätskosten, die entstehen, wenn eine wichtige Stelle monatelang unbesetzt bleibt oder wenn ein Projekt im Leerlauf läuft, werden in diesen Rechnungen oft gar nicht berücksichtigt. Gemessen an dem, was liegen bleibt, ist die externe Unterstützung häufig die günstigere Lösung.

Der erste Schritt: Eine Idee, eine Person, ein Ziel

Am Ende des Gesprächs bringt Sarah Winter ihren wichtigsten Tipp auf eine Formel, die so einfach ist, dass man sie fast unterschätzt.

Setz dich morgen früh hin. Nimm dir eine Idee. Gib ihr einen klaren Owner und ein klares Ziel. Und dann zieht ihr sie durch.

Nicht zehn Ideen gleichzeitig. Nicht ein Komitee aus fünf Beteiligten. Nicht ein weiteres Meeting, um zu besprechen, wer zuständig sein könnte. Eine Idee. Eine Person. Ein Ziel.

Dieser eine Schritt verändert die Energie in einem Team sofort. Sarah Winter hat das immer wieder beobachtet: Sobald jemand wirklich den Hut aufhat, sobald klar ist, wer verantwortlich ist und was das konkret bedeutet, kommt Bewegung in Projekte, die vorher ewig stagniert haben. Entscheidungen werden getroffen. Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Und plötzlich passiert das, worauf alle schon lange gewartet haben.

Fazit: Innovation ist kein Talent – es ist eine Frage der Struktur

Was Sarah Winter in dieser Folge deutlich macht, ist eine Botschaft, die so simpel wie kraftvoll ist: Innovation scheitert selten an fehlenden Ideen oder fehlendem Talent. Sie scheitert an fehlender Struktur, fehlender Verantwortung und fehlender Priorität.

Und das ist die gute Nachricht. Denn all das lässt sich verändern. Nicht mit einem großen Strategieprojekt, nicht mit einem neuen Tool und nicht mit einem externen Berater, der eine Präsentation abliefert und wieder geht.

Sondern mit einem klaren Auftrag. Einer verantwortlichen Person. Und dem Mut, wirklich loszulegen.

Ein Hoch auf alle KMU, die genau das jeden Tag versuchen.

Über Sarah Winter:

Sarah begleitet Konsumgüterprojekte von der Idee bis zur Umsetzung im Markt – über Produkt, Category, Beschaffung, Logistik und Marke hinweg. Als Projektpartnerin auf Zeit hilft sie KMU, Ideen endlich vom Papier in die Realität zu bringen.

Homepage: https://www.winterpm.de/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sarah-winter-pm/