Foresight: Warum Zukunft nicht vorhersehbar ist – aber gestaltbar
In der aktuellen Folge meines Podcasts „Innovation Einfach Machen“ hatte ich das Vergnügen, mit Michael Deckner über ein Thema zu sprechen, das mir seit meiner Masterarbeit nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist: Foresight – oder zu Deutsch: Zukunftsmanagement. Was zunächst sehr abstrakt klingt, ist in Wahrheit eine essenzielle Kompetenz für Innovationsverantwortliche und ganz besonders für CTOs, die heute schon an übermorgen denken müssen.
Dieser Blogartikel führt dich durch die wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs, zeigt Methoden und Tools auf und liefert dir konkrete Impulse, wie du Foresight in deinem Unternehmen einsetzen kannst.
Das Interview gibt es in meines „Innovation Einfach Machen“ Podcasts anhören oder direkt auf YouTube.
Hinweis: Dieser Text wurde mit KI aus dem Transkript der Podcast Folge generiert. Die Inhalte stammen aus dem Interview. Der Text von KI.
Was ist Foresight eigentlich? Zukunft managen statt vorhersagen
Foresight ist keine Prognosemaschine. Michael bringt es im Podcast auf den Punkt:
„Foresight bedeutet nicht, die Zukunft vorherzusagen. Sondern, mit mehreren möglichen Zukünften zu arbeiten.“
Im Kern geht es darum, verschiedene Entwicklungspfade systematisch zu durchdenken, daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten und Unternehmen resilienter zu machen.
Der Unterschied zu Forecasting
Forecasting (z. B. Markt- oder Umsatzerwartungen) basiert auf Vergangenheitsdaten. Foresight hingegen beginnt oft bei schwachen Signalen, gesellschaftlichen Entwicklungen oder technologischen Ideen, die heute noch keinen klaren Business Case haben – aber zukünftig zum Gamechanger werden könnten.
Mein Weg zum Foresight: Von der Masterarbeit zum Podcast
Als ich 2011 meine Masterarbeit geschrieben habe, ging es um Zukunftsszenarien in der Automobilindustrie. Damals war das Thema Foresight in Österreich noch kaum bekannt. Ich analysierte damals, wie ein künftiges Cockpit aussehen könnte, sammelte Trendreports, führte Interviews und entwickelte Szenarien. Einige der damaligen Ideen sind heute Realität.
Fast forward: Mehr als ein Jahrzehnt später wird das Thema Foresight endlich breiter diskutiert. Und ich bin dankbar, dass mir Michael Deckner mit seiner Leidenschaft für Zukunftsthemen einen neuen Zugang dazu ermöglicht hat.
Die 3 größten Learnings aus dem Interview mit Michael Deckner
1. Neugier ist die zentrale Zukunftskompetenz
Michael zitiert Wolf Lotter: „Neugier ist die Zukunftskompetenz schlechthin.“
Foresight beginnt nicht mit Tools, sondern mit Haltung. Wer nicht neugierig ist, sieht keine Signale, stellt keine Fragen und bleibt in alten Denkmodellen gefangen. Gerade in komplexen, schnelllebigen Zeiten ist Neugier das Gegengift zur Innovationslähmung.
2. Foresight ist ein Prozess – und er ist strukturierbar
Auch wenn Zukunft ungewiss ist, lässt sich mit guten Methoden Klarheit schaffen. Michael beschreibt einen generischen Foresight-Prozess in sechs Phasen:
- Scoping: Was will ich wissen? Welches Thema, welche Fragestellung steht im Zentrum?
- Sammeln: Schwache Signale, Trends, Megatrends, Treiber identifizieren
- Analysieren: Was steckt hinter den Daten? Welche Wechselwirkungen bestehen?
- Interpretieren: Welche Bedeutungen lassen sich ableiten?
- Szenarien entwickeln: Verschiedene Zukünfte beschreiben
- Strategien ableiten: Welche Handlungen sind sinnvoll, robust oder adaptiv?

Dabei helfen Frameworks wie PESTLE, Szenariotechnik, Cross-Impact-Analyse oder der Trendradar.
3. Schwache Signale sind der Anfang jeder starken Strategie
Ein „Signal“ ist noch kein Trend – aber vielleicht der Anfang eines Megatrends. Michael beschreibt eindrucksvoll, wie einzelne Beobachtungen zu Mustern werden:
„Trends sind Signale, die sich verdichten. Megatrends sind Lawinen in Zeitlupe.“
Foresight schult die Wahrnehmung für solche Verdichtungen. Erst wer beginnt, Muster zu erkennen, kann zukunftsfähige Strategien entwickeln.
Foresight-Methoden: Welche Tools helfen wirklich?
PESTLE-Analyse
Ein Klassiker, der auch heute noch funktioniert. Politik, Ökonomie, Gesellschaft, Technologie, Umwelt und Recht werden systematisch analysiert. Ziel: ein ganzheitlicher Blick, ohne blinde Flecken.
Szenariotechnik
Ursprünglich aus der Militärstrategie kommend, hat sich diese Methode bewährt, um verschiedene Zukünfte zu denken – und daraus Handlungsoptionen zu entwickeln.
Trendradar
Eine gute Möglichkeit, Trends sichtbar zu machen und sie nach Relevanz und zeitlichem Horizont zu clustern. Besonders hilfreich für die teamübergreifende Diskussion.
Cross-Impact-Analyse
Dieses Tool zeigt, wie stark sich Trends gegenseitig beeinflussen. So lassen sich komplexe Zusammenhänge verstehen und strategisch bewerten.
Der Umgang mit Unsicherheit: Von Perfektion zu Iteration
Viele Unternehmen scheuen sich vor Foresight, weil es keine „sicheren Daten“ gibt. Doch genau das ist der Punkt: Zukunft ist unsicher. Und das ist keine Schwäche, sondern eine Einladung zu Experimenten.
„Wir brauchen mehr Mut zur Improvisation und schlaue Fehler.“
Michael verweist auf Amy Edmondson, die zwischen dummen und klugen Fehlern unterscheidet. Foresight funktioniert nur mit der Bereitschaft, zu lernen, zu irren und zu adaptieren. Wer alles im Vorfeld wissen möchte, wird nie ins Tun kommen.
Foresight und KI: Ein starkes Duo
Foresight lebt von Information. Und maschinelle Intelligenz kann helfen, die Informationsflut zu strukturieren:
- Trendreports aggregieren
- Schwache Signale identifizieren
- Quellen verknüpfen
- Analysen beschleunigen
Aber: Die Transferleistung, also das strategische Deuten und Entscheiden, bleibt menschlich. Tools wie Perplexity oder ChatGPT können vorbereiten, aber nicht ersetzen.
Erste Schritte im Foresight für Innovationsverantwortliche
Wenn du Foresight im Unternehmen verankern willst, beginne klein, aber gezielt:
- Stelle die richtigen Fragen. Was sind unsere blinden Flecken? Welche Annahmen hinterfragen wir nie?
- Sammle systematisch. Trendreports, Konferenzen, Podcasts, Gespräche mit Expert:innen.
- Arbeite interdisziplinär. Hol dir Kolleg:innen aus anderen Bereichen ins Boot – Vielfalt erzeugt Weitblick.
- Visualisiere. Nutze Trendradar, Szenarien, Zukunftspostkarten.
- Handle iterativ. Nutze Hypothesen, kleine Experimente und „Probes“ – inspiriert vom agilen Denken.
Fazit: Zukunft ist keine Vorhersage, sondern eine Einladung zur Gestaltung
Foresight ist mehr als ein Buzzword. Es ist eine Haltung, ein Werkzeugkoffer und ein strategischer Muskel, den Unternehmen trainieren können – und müssen. Gerade in Zeiten von Krisen, Komplexität und technologischem Wandel ist es essenziell, nicht nur auf das Morgen, sondern auf das Übermorgen zu schauen.
Mein Gespräch mit Michael Deckner hat mir wieder einmal gezeigt: Zukunft passiert nicht einfach. Sie wird gemacht.
Wenn du wissen willst, wie du damit beginnen kannst, dann hör dir die Podcastfolge an – oder schreib mir. Denn Zukunft gestalten wir nicht allein.
Über Michael Dekner
Vielleicht noch kurz ein paar Worte zu Michaels Hintergrund. Als Naturwissenschaftler bezeichnet er sich selbst als Spätberufener für Innovation. Während er in einem StartUp tätig war hat er Wissensmanagment in Eisenstadt stiudiert, aber erst etwas später seinen Start als Innovationsmanager bei Baxalta gehabt. Mit einem Zwischenstopp als Führungskraft befasst er sich seit mehr als 10 Jahren nun mit Innovation und verwnadten Themen.
Relevante Links
Lehrgang Strategic Foresight & Future Business Models
https://www.zukunftsinstitut.de/
The Future Project:
https://thefutureproject.de/
Jim Dator (Youtube)
https://www.youtube.com/watch?v=gR3S3QJLhQM